Die Ausstellungen der Städtischen Galerie Wolfsburg laden den Betrachter ein, bewusst zu sehen. Die Seh- und Denkgewohnheiten werden herausgefordert, um Wünsche zu wecken, die Fantasie anzuregen, kritische Fragen zu entwickeln, eigene Erkenntnisse einzuleiten. Ziel des Ausstellungsprogramms ist eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit der aktuellen Kunst, die zum Verständnis der eigenen Gegenwart beiträgt.

Die Sammlung, die in wechselnden Ausschnitten und unter verschiedenen Fragestellungen dauerhaft präsentiert wird, bildet den Zusammenhang für die Sonderausstellungen. Sie stellt die jungen Positionen des Programms zwangsläufig in einen kunsthistorischen Kontext, gleichzeitig werden die Werke der Sammlung aber aktiv in den Fluss zeitgenössischer Kunstströmungen eingebettet. Das Wechselspiel zwischen Sonderausstellungen und Dauerpräsentation erhöht die Anzahl der Wahrnehmungsweisen und knüpft neue Verbindungen.

Das langfristig angelegte Ausstellungsprogramm setzt sich aus verschiedenen Präsentationsformaten zusammen, die im regelmäßigen Rhythmus gezeigt werden. Die Städtische Galerie Wolfsburg fungiert dabei nicht nur als Ausstellungsort, sondern ist auch Ort der Produktion und des Experiments, an dem neue Arbeiten entwickelt und realisiert werden. Für viele Künstlerinnen und Künstler, die in der Städtischen Galerie Wolfsburg vorgestellt werden, bedeutet diese Präsentation eine erste öffentliche Anerkennung. Die Förderung junger, noch wenig bekannter Positionen steht ebenso im Fokus des Ausstellungsprogramms wie der Hinweis auf das maßgebliche Werk von Künstlerinnen und Künstlern, die wichtige Impulse gegeben haben, aber im aktuellen Ausstellungsgeschehen weniger vertreten sind. Unterschiedliche kuratorische Ansätze kommen in den Themenausstellungen zum Tragen, für die externe Kuratorinnen und Kuratoren eingeladen werden. Die regelmäßigen Kooperationen mit dem Institut Heidersberger und der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig binden die lokale wie regionale Kunstszene in das Ausstellungsprogramm ein. Mit den Satelliten wagt die Städtische Galerie Wolfsburg den Schritt nach draußen, aus dem Schutzraum des Museums heraus, und entwickelt Ausstellungskonzepte für verschiedene Aktionsorte im Wolfsburger Stadtraum.

Einen Höhepunkt des Ausstellungsprogramms stellt die Verleihung des Kunstpreises „Junge Stadt sieht Junge Kunst“ dar, der zu den ältesten Traditionen des kulturellen Lebens in Wolfsburg zählt und alle drei Jahre verliehen wird.

Die Präsentationsformen der Ausstellungen sowie die begleitenden Publikationen werden im Dialog und in enger Zusammenarbeit mit den beteiligten Künstlerinnen und Künstlern entwickelt und argumentieren primär visuell. Offenheit und Mut zum Experiment leiten das Programm. Die Räume im Schloss Wolfsburg stellen ein konträres Modell zum Ideal des White Cube dar. So sind die Schlossarchitektur und der Innenausbau der 1970er Jahre Herausforderung und Anregung zugleich für die Erprobung neuer Präsentationsformen und alternativer Ausstellungsmodelle. Durch die Überführung der Exponate in die Räume eines Schlosses, das bis Mitte des 20. Jahrhunderts Heim und Repräsentationsort der Grafen von der Schulenburg war, entsteht eine ganz bestimmte Situation und es werden Reaktionen erzielt, die für die Wahrnehmung der Ausstellungen der Städtischen Galerie Wolfsburg bestimmend sind.