Return / Enter

Sinta Werners Kunst spielt mit der Beziehung zwischen Zwei- und Dreidimensionalität, Realität und Abbild, physischer Präsenz und Projektion und der Ver-zahnung von virtuellem und realem Raum. Die Künstlerin erforscht die Mechanismen der Wahrnehmung durch bewusste Täuschungsmanöver im Raum.

Das Spiel mit den Dimensionen, aber auch der Architektur an sich steht bei ihren Installationen im Mittelpunkt. Dabei beschäftigt sie sich in ihren Fotocollagen, Installationen und Skulpturen auch mit der Frage, welchen Einfluss neue Technologien auf unser Gefühl von Räumlichkeit haben. Wo sind wir, wenn wir im Netz sind?

Für die KUNST-STATION realisierte die Künstlerin zum ersten Mal eine Wand-Kachelarbeit und auf jeweils einer Seite des Aufenthaltsbereiches befinden sich die Begriffe Return und Enter in pixeliger Kachelästhetik. Das Begriffspaar „RETURN / ENTER“ ist einerseits von der Computertastatur bekannt, kann aber auch synonym für den Vorgang des Reisens gelesen werden: zu einem Ort zurückkehren, einen anderen Ort betreten.

Die Übersetzung des Begriffspaars als Pixelästhetik ist auf eine Reihe von Schriftexperimenten auf Grundlage der Software Clear Type zurückzuführen. Clear Type rendered zur Verbesserung der Lesbarkeit bei der Bildschirmdarstellung von Text die RGB-Anteile der Pixel nach einem algorithmischen System. Der Text wird somit für das Auge des Betrachters geglättet, während um die Schrift durch das Rendering ein Farbeffekt entsteht. Diese Quasi-Aura aus RGB-Werten kann durch die Vergrößerung sichtbar gemacht werden. Hierzu wurde ein Screenshot von 6pt Schrifthöhe auf 90 cm hochskaliert.

Das Ein- und Auszoomen in die Schrift kann ebenso als Analogie zum Perspektive-ändern des Reisens gelesen werden: Das Wandbild in den Maßen 244 cm x 430 cm bleibt bei geringem Betrachtungsabstand ein Ornament – während es mit zunehmender Distanz immer leserlicher wird. Dementsprechend braucht man manchmal Abstand zu einem Ort, um eine Situation besser erkennen zu können. Auch von einem Zielort hat man manchmal ein klares Bild, eine Vorstellung, welche sich im unmittelbaren Kontakt aufzulösen beginnt. Das Pendeln zwischen den Orten wird somit zur perzeptiven Metapher einer digitalen Gegenwart, in der die virtuelle Allgegenwärtigkeit von Orten nur noch in der subjektiven Betrachtung des Reisenden unterschieden werden kann.

Der verpixelte Schriftzug existiert nur in der Ansicht auf dem Computerbildschirm oder anderen digitalen Schnittstellen. In der analogen Version wird die Pfaddatei in der entsprechenden Druckauflösung ausgedruckt ohne Farbausfransungen. Das analoge Auge schaut bei der Installation quasi auf die digitale Ansicht, eine Situation, die es sonst nicht gibt.

Sinta Werner (*1977 in Hattingen) studierte am Goldsmiths College, London, an der Hochschule der Künste, Berlin und an der Universität der Künste, Berlin. Sie lebt und arbeitet in Berlin. Sie ist mit ihren Ausstellungskonzepten in internationalen Projekten vertreten.

Eine Ausstellung in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn und der Neuland Wohnungsgesellschaft.

Zeitraum: 28.08.2019 – 01.03.2020

Künstler*innen: Sinta Werner