The Art(ist) is Present / DER TOD DES AUTORS WIRD NICHT ZUGELASSEN

Liebe Besucherinnen und Besucher,
das Herzstück der Städtischen Galerie Wolfsburg ist die Sammlung.
Für die Neupräsentation dieser Sammlung haben wir den in Berlin lebenden Künstler Michael Müller eingeladen, eine persönliche Auswahl aus den Beständen zu treffen und die gewählten Werke zwei Jahre lang in den Ausstellungsräumen im Westflügel von Schloss Wolfsburg zu inszenieren.

Während der Arbeit an diesem Projekt entschied sich Michael Müller die Sammlung nicht in einer einzelnen Ausstellung zu zeigen, sondern sie in wechselnden Kontexten zu präsentieren. Die einzelnen Zyklen werden unterschiedliche formale wie inhaltliche Schwerpunkte haben und sind bisweilen exzentrisch und äußerst „werkhaft“ kuratiert. „Deine Kunst“, so der Titel der Serie, zeigt in mehreren aufeinanderfolgenden Fassungen die Sammlung der Städtischen Galerie Wolfsburg. …oder besser: zeigt die Sammlung der Städtischen Galerie Wolfsburg in Form einer außergewöhnlichen „Einzelausstellung“, einer vielstimmigen Installation von Michael Müller.

Für die erste Fassung der Ausstellung, die im Frühjahr zu sehen war, wurden die Ausstellungsräume stark verändert. Diejenigen unter Ihnen, die den Westflügel schon häufiger besucht haben, werden die Räumlichkeiten sehr wahrscheinlich nicht wiedererkennen. Michael Müller formte neue Räume und thematisiert durch die Raumgestaltung unter anderem die Problematik des Ausstellens zeitgenössischer Kunst in einer Schlossarchitektur. Konstruktion und Dekonstruktion des Raums und der Werke sowie die Frage nach der Autorenschaft oder „Wer ist es der in einer Ausstellung spricht?“ finden in seiner Installation Anklang. Dabei zieht er immer wieder Bezüge zu der Geschichte der genutzten Räume. Die Räume sind von der Farbe Grau dominiert und mit einer silbern schimmernden, kunstvoll gefalteten textilen Wandverkleidung bestückt.
Bis zum 6. Oktober 2019 zeigen wir nun die zweite Fassung des Ausstellungszyklus.
Die Präsentation trägt zwei gleichwertige Titel: zum einen „The Art(ist) is Present“, zum anderen „Der Tod des Autors wird nicht zugelassen“.

Die Ausstellung erstreckt sich auf zwei Ebenen und es werden insgesamt 30 Werke präsentiert, auch wenn die entsprechenden Werke nicht physisch vorhanden sind.
Wie bereits die Eröffnungsfassung bleibt auch die zweite Ausstellung eigentümlich leer. An den Wänden im Westflügel des Schlosses sind kleine Titelschilder angebracht, die Informationen zu einzelnen Werken enthalten (pflichtschuldig, so wie immer). Name, Titel, Jahr, Maße, Materialien etc. sind nüchtern aufgelistet und in vielen Fällen um eine Nummer ergänzt, die dem Werk im begleitenden Audioguide gegeben wurde. Der Audioguide stand im Zentrum der stark reduzierten Präsentation. Warum? Weil die Arbeiten, die er begleiten soll, fehlen. Die Werke wurden nicht gezeigt.

Besprochen werden Werke u.a. von Art & Language, Francis Bacon, Franz Beckmann, Angela Bulloch, Walter Dahn, Alberto Giacometti, Asger Jorn, Ilya Kabakov, KOAK, Vlado Martek, Ludwig Meidner, Blinky Palermo, A. R. Penck, Arnulf Rainer, Daniel Spoerri, Elaine Sturtevant und Timm Ulrichs.

Inhaltlich dreht sich die Ausstellung um drei miteinander verbundene Motive: vor allem um die Autorschaft und das Selbstportrait, aber auch, am Rande, um die Signatur. Gerade die Autorschaft wird durch Aneignungen, Umdeutungen und Reframing kritisch in den Blick genommen und mittels der Doppelrolle des Künstler-Kurators Michael Müller vielfältig gebrochen. Wird die Sammlung hier vereinnahmt? Wird der Ausstellungskontext zum Werk? Tritt die Einbildungskraft der Besucher* innen an die Stelle der Werke, die nicht zu sehen sind?

Seien Sie gespannt und freuen Sie sich auf eine zweite aufregende, teilweise verstörende und doch anregende Auseinandersetzung mit der Sammlung der Städtischen Galerie Wolfsburg.

Und hier geht es zum Künstlerprojekt und der Website „DEINE KUNST“:
[www.deinekunst.art][1]

[1]:http://www.deinekunst.art/

Zeitraum: 18.05.2019 – 06.10.2019

Künstler*innen: Michael Müller