Liebe Besucherinnen und Besucher,
das Herzstück der Städtischen Galerie Wolfsburg ist die Sammlung.
Für die Neupräsentation dieser Sammlung haben wir den in Berlin lebenden Künstler Michael Müller eingeladen eine persönliche Auswahl aus den Beständen zu treffen und die gewählten Werke zwei Jahre lang in den Ausstellungsräumen im Westflügel von Schloss Wolfsburg zu inszenieren.
Während der Arbeit an diesem Projekt entschied sich Michael Müller die Sammlung nicht in einer einzelnen Ausstellung zu zeigen, sondern sie in acht aufeinanderfolgenden Fassungen und wechselnden Kontexten zu präsentieren. Die einzelnen Zyklen werden unterschiedliche formale wie inhaltliche Schwerpunkte haben und sind bisweilen exzentrisch und äußerst „werkhaft“ kuratiert.
Für die erste Fassung der Ausstellung wurden die Ausstellungsräume stark verändert. Diejenigen unter Ihnen, die den Westflügel schon häufiger besucht haben, werden die Räumlichkeiten sehr wahrscheinlich nicht wiedererkennen. Michael Müller formt neue Räume und thematisiert durch die Raumgestaltung unter anderem die Problematik des Ausstellens zeitgenössischer Kunst in einer Schlossarchitektur. Konstruktion und Dekonstruktion des Raums und der Werke sowie die Frage nach der Autorenschaft oder „Wer ist es der in einer Ausstellung spricht?“ finden in seiner Installation Anklang.
Dabei zieht er immer wieder Bezüge zu der Geschichte der genutzten Räume. Die Räume sind von der Farbe Grau dominiert und mit einer silbern schimmernden, kunstvoll gefalteten textilen Wandverkleidung bestückt. Die Wahl des Stoffes lässt eine feudale Präsentationsform anklingen und auch das Gemälde, das im dritten Raum zu sehen ist, ist eine provokante Reminiszenz an die ehemaligen Bewohner* innen des Schlosses. Bei dem ausgestellten Gemälde handelt es sich um das Bild eines Dodos. Ein Vogel, der bereits im 17. Jahrhundert ausgestorben ist. Dieses Gemälde ist nicht – wie eigentlich zu vermuten ist – aus der Sammlung der Städtischen Galerie Wolfsburg, sondern aus der Sammlung der Grafen Schulenburg. Die Ausstellungsräume im Westflügel waren die ehemaligen Wohn- und Schlafräume der Familie von der Schulenburg-Wolfsburg.
Wir danken Günther Graf von der Schulenburg, dass er uns das Gemälde von F.G. Weitsch für die Ausstellung zur Verfügung gestellt hat.
Michael Müller sieht für den Besuch der Ausstellung Schallkopfhörer vor, die sich die Besucher* innen über die Ohren ziehen können. Dadurch wird ermöglicht, dass sich die Besucher* innen mit dem Geschauten im Stillen und nur im Gespräch mit sich selbst auseinander setzen können.
Wir laden Sie herzlich dazu ein, sich einen dieser Kopfhörer auszuleihen und die Ausstellung auf diese Art zu begehen und zu erfahren.
In den Räumen werden Ihnen Objekte begegnen, die mehrere Deutungen zulassen und womöglich einige Fragen aufwerfen können. Worum handelt es sich bei dem Plexi-Kubus? Warum sehen wir nicht die originale Arbeit des Konzeptkünstlers Timm Ulrichs, sondern eine Kopie und nur die Rückseite des Bildes? Und was für eine Funktion hat das Gehäuse mit nur einer funktionierenden Leuchtstoffröhre?
Eines der Ziele der Installation ist die Offenheit für die eigene Wahrnehmung. Stellen Sie sich ganz bewusst die aufkommenden Fragen und lassen Sie sich ein auf diese ungewöhnliche Art einer Sammlungsausstellung.
Bis Ende April kann die erste Fassung der Ausstellung besucht werden. Ab dem 18. Mai wird die zweite Fassung vorgestellt. Diese Ausstellung wird sich auf zwei Ebenen erstrecken. Es werden insgesamt 30 Werke präsentiert, auch wenn die entsprechenden Werke nicht physisch vorhanden sein werden. Seien Sie gespannt und freuen Sie sich auf eine zweite aufregende, teilweise verstörende und doch anregende Auseinandersetzung mit der Sammlung der Städtischen Galerie Wolfsburg.
Und hier geht es zum Künstlerprojekt und der Website „DEINE KUNST“:
[www.deinekunst.art][1]
[1]:http://www.deinekunst.art/
