Positi / Wolfsburg

Für den Park von Schloss Wolfsburg hat Olaf Nicolai eine zweiteilige Bodenskulptur geschaffen. Zum einen besteht das Werk aus zwei Platten, die nebeneinander auf dem Boden liegen.
Beim Stehen und Bewegen auf diesen Platten bilden die Besucher
der Ausstellung den anderen Teil. Der Künstler lädt Sie ein, sich auf eine der Platten zu stellen. Er schlägt vor, einen Partner zu suchen, der sich zu Ihnen gesellt, so dass Sie gleichzeitig auf jeweils einer Platte stehen. Der Künstler empfiehlt, mindestens 3 Minuten zu verweilen, Sie können jedoch
so lange bleiben, wie Sie möchten.

Der Titel des Werks spielt mit dem Namen der Kämmerer des byzantinischen Kaisers, den so genannten Praepositi. Jeder der die Haupthalle der Hagia Sofia in Istanbul betritt, bemerkt heute auf beiden Seiten des Eingangs Unebenheiten im Boden zu beiden Seiten des Eingangs. Die Erklärung für diese Vertiefungen findet sich in dem Buch De cerimoniis aulae Byzantinae, das von Kaiser Konstantin VII. (905-59) verfasst wurde. Darin werden die zeremoniellen Abläufe detailliert aus der Sicht der Hofbeamten beschrieben, ebenso werden weitere Angelegenheiten behandel, soweit sie den täglichen Lebensrhythmus in Konstantinopel betrafen, darunter auch Kirchenbesuch und Gottesdienst. So mussten die Kämmerer des Kaisers während des gesamten, sehr langen Gottesdienstes vor der Kaiserpforte warten. Die Vertiefungen auf den Steinen, die sich im Laufe der Jahrhunderte gebildet haben, sind Zeugnisse dieses Wartens. So wie die Vertiefungen in der Hagia entstanden sind, werden sich auch auf den Platten der Arbeit Spuren abzeichnen – je nachdem, wie oft und wie lange die Arbeit durch den Gebrauch der Platten realisiert wird.

Zeitraum: 09.12.2023

Künstler*innen: Olaf Nicolai